Nun war ich also erwachsen. Aber ich war auch ehrgeizig und wollte mich nicht mit Aushilfsjobs über Wasser halten. Ich wollte etwas erreichen. Zunächst bekam ich eine Anstellung bei der Arullusa Farm Ltd., welche kosmetische Produkte wie Seifen, Körpercrèmes, Massageöle und -lotionen aus einheimischen Zutaten herstellte. Ende 2008 kamen endlich die lang ersehnten Resultate der Highschool. Ich hatte in allen Fächern bestanden und hielt überglücklich das Diplom in den Händen.

Jetzt sollte es aufwärts gehen. Ich kündigte bei Arullusa und erhielt vom Direktor ein sehr gutes Zeugnis mit der Zusicherung, dass ich jederzeit wieder zurückkommen könne, um dort zu arbeiten. Ich bewarb mich bei einer Organisation, welche junge Schulabgänger mit bestandenem Examen in einem einmonatigen Kurs ausbildete, um an Schulen über HIV/Aids zu unterrich­ten. Nach der Ausbildung wurde ich an eine Schule geschickt, in der ich acht Monate diese Tätigkeit ausübte. 

Als Allrounder nach Sandy Beach
Es war eine erfahrungsreiche und gute Zeit, in der ich viel über die Menschen und die Gemeinschaft lernte. Doch das Entwicklungsprogramm endete nach diesem Jahr, und ich musste mir über mein weiteres Leben Klarheit verschaf­fen. Im September 2009 lernte ich Emily, eine entfernte Verwandte meiner Mutter, und Hermann Striedl kennen, die eine Lodge in Siavonga am Karibasee besassen. Sie waren bereit, mich als Allrounder auf ihrer Sandy Beach Safari Lodge einzustellen, und so kam es, dass ich nach Siavonga, in den Süden von Sambia, zog. 

Der Boss, Hermann, ist Deutscher, seine Frau Emily stammt aus Sambia. Mister Hermann merkte bald, dass ich mich für Büroarbeiten eignete, und führte mich in sämtliche Bereiche an der Reception ein. Diese Arbeit machte mir Spass und ich schrieb mich für ein Fernstudium in Tourismus-Management ein. Das Studium dauerte von 2010 bis 2013.

Und wieder hiess es büffeln
 Jeden Abend nach der Arbeit sass ich in meinem Haus und lernte für die Schule. Ich wurde für meinen Fleiss belohnt und schloss im April 2013 mit dem Diplom in Tourism Management ab. Während all diesen Jahren war Sandy Beach zu meinem Zuhause geworden und es gefiel mir, auf der Lodge zu arbeiten. Ich gründete in Siavonga auch einen Fussballclub und organisierte Spiele, was mir einiges Ansehen im Distrikt einbrachte. Ich arbeitete viel, das Gehalt betrug etwa 100 Dollar im Monat, aber ich hatte einen kleinen Bungalow für mich und genügend zu essen. Es war ein gutes Leben.

 Das Beste ereignete sich dann im April 2012. Eines Tages kam ein junges Mädchen aus der Schweiz mit seiner Mutter ein paar Tage in die Sandy Beach Safari Lodge zum Entspannen. Nach der Abreise der beiden blieb ich mit Stephanie, dem Mädchen, über Face­book in Kontakt. Wir schrieben uns täglich, und im Februar 2013 besuchte mich Stephanie wieder in Sambia. Ich war so aufgeregt, als ich in Lusaka am Airport auf meine Freundin aus der Schweiz wartete. Wie würde es werden mit uns? Würden wir uns verstehen?

Twatasha Sana – Hilfe, die ankommt
Der gemeinnützige Verein Twatasha Sana mit Sitz in Müstair setzt sich für Entwicklungshilfe, Frauenförderung und den Zugang zu sauberem Wasser in Sambia ein. Durch nachhaltige Projekte sollen die Lebensbe­din­gun­gen vor Ort verbessert werden. «Hilfe, die ankommt», lautet das Credo. «Wir unterstützen Menschen in Sambia mit nachhaltigen Projekten», schreibt der Verein, der von Dennis und Stephanie Ulayayi gegründet wurde. Spenden und Sponsoring: 
Kto. CH85 0077 4010 5353 5410 0 

Dennis Ulayayi stammt aus Sambia und lebt heute in der Val Müstair. Auf der Grundlage seiner persönlichen Notizen hat seine Schwiegermutter seine Lebensgeschichte aufgeschrieben – von der Kindheit in Sambia bis zum heutigen Leben in der Schweiz. Alle weiteren Artikel dieser Sommerserie finden Sie im Dossier «Sommerserie» auf engadinerpost.ch

Autorin: Annelise Albertin
Foto: z. Vfg/Dennis Ulayayi