Es muss schon mal heftig regnen, dass Laura Bott nicht in Ardez in einem ihrer sieben Gärten bei der Arbeit anzutreffen ist. Oder Winter sein. Dann arbeitet sie in Sent, wo sie seit drei Jahren lebt, und setzt dort künstlerisch um, was ihr die Natur tagtäglich anbietet, was sie in dieser sieht, hört, riecht, schmeckt oder ertastet.
«Laura Botts Werk steht im alpinen Kontext», sagte Galeristin Bettina Plattner-Gerber anlässlich der kürzlich erfolgten Vernissage treffend, «sie verbindet Garten, Natur, Holz, Licht und Landschaft zu einer künstlerischen Einheit und zeigt ihre tiefe Verbundenheit zur Natur ohne diese einfach nur abzubilden.» Genau dies widerspiegeln die in Pontresina ausgestellten Werke Botts: Abbilder aus der Natur, welche erst bei genauerem Hinsehen erkennbar und zuordbar sind. Sofern man will, denn gerade die Holzdrucke sprechen auch ohne Zuordnung für sich – und für Laura Botts künstlerische Ausdrucksweise.
Holz, Farbe drauf und drucken
Die 47-jährige Künstlerin, sie ist in der Val Müstair aufgewachsen und hat in Wien an der Akademie der bildenden Künste Kunst studiert, nutzt Holz nicht wie viele andere Kunstschaffende als Grundmaterial für einen Holzschnitt der anschliessend als Druckform genutzt wird, sondern nutzt das Holz selbst und unmittelbar. Sie nimmt eine Holzscheibe oder einen Holzblock, gibt schwarze Druckerfarbe direkt auf die Holzfläche und druckt so nicht irgendeine Zeichnung auf Papier, sondern die ursprüngliche Struktur des Holzes selbst. Stammquerschnitte werden so sichtbar, Jahrringe, Faserverläufe. So einzigartig wie die Natur selbst.
«Ich gehe nicht hin und male einen Baum, ich drucke ihn», sagte Laura Bott am Rande der Vernissage. Sie arbeite im Hochdruckverfahren, aber ohne mechanische Presse. «Wenn ich grosse Holzstücke als Druckstempel benutze, dann stehe ich halt auch mal mit meinem ganzen Gewicht darauf und drücke so die Farbe aufs Papier.» Auf farbiges Papier, für einmal und anstatt immer nur auf weisse Hintergründe zu drucken, fügte sie an. So entstehen Unikate, sogar, wenn sie ab und zu den gleichen Holzstempel ein zweites oder drittes Mal benutzt.
Inspiriert von der Natur
In der Ausstellung sind neben den Holzdrucken auch kleinformatige Acrylbilder mit Glitzer auf Holz zu bewundern – die sich, Glitzer sei Dank, je nach Blickposition optisch verändern. Und Wachsbilder. Diese hatte Laura Bott bereits früher geschaffen. Neu hat sie die delikaten Wachsschichten aber in feine Holzrahmen gesteckt und mittels LED-Leuchtdioden hinterleuchtet, was die farbigen Wachsbilder zu neuem Leben erweckt.
Seit einem Jahr kuratiert Gian Tumasch Appenzeller der Stalla Madulain die Ausstellungen in der Art Gallery Pontresina im Auftrag des Galeristenpaars Bettina und Richard Plattner. Er kennt Laura Bott und ihre Kunst von früheren Ausstellungen in der Stalla und ist voller Lob für die unkonventionelle Künstlerin: «Sie bildet in ihren Arbeiten das ganze Universum der Natur ab. Das ist für mich einzigartig. Laura ist nicht nur inspiriert von der Natur, sie ist Natur.»
Weil die aktuelle Ausstellung relativ kurzfristig zustande kam, musste Laura Bott so einige trübe Regentage und einsame Nächte für die Druckarbeiten aufwenden. «Ansonsten bin ich aber jede freie Minute in meinen Gärten.» Diese hat sie vor rund 14 Jahren angelegt und aufgebaut und sorgt sich seither mit viel Herzblut um Blumen, Gemüse und Früchte. «Ich mache es sehr gerne», so Laura Bott, «die Leute haben Freude, ich versorge mich selbst aus dem Garten und kann darüber hinaus noch Gemüse an ein lokales Restaurant verkaufen.» Was will man mehr?
Die Ausstellung «La glüsch dals giardins – Das Leuchten der Gärten» von Laura Bott ist noch bis zum 24. Oktober in der Art Gallery Pontresina an der Via da la Staziun 11 zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr, Samstag von 9 bis 12 Uhr oder nach Vereinbarung.
Weiterführende Informationen unter: www.artgallerypontresina.ch
Autor und Fotos: Jon Duschletta
Weiterführende Informationen unter: www.artgallerypontresina.ch
Autor und Fotos: Jon Duschletta
Diskutieren Sie mit
Login, um Kommentar zu schreiben