Philipp Gurt, seit dem Erscheinen von «Engadiner Rache» Ende Mai war ihr vierter Fall mit Alpin-Polizistin Corina Costa wochenlang auf Platz 1 der Schweizer Bestsellerliste. Jetzt ist «Engadiner Rache» immer noch in den Top 3. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?
Die Engadiner Reihe ist meine erfolgreichste. Gemäss den Verkaufszahlen ist Corina Costa unschlagbar im Vergleich zu meinen anderen Ermittlern und Ermittlerinnen. Diese Reihe liest eine viel breitere Masse, da auch viele Touristen gerne ein Engadin-Krimi lesen. Das Engadin ist ein Sehnsuchtsort, dadurch werden sehr viele Leserinnen und Leser angesprochen. Würde es zum Beispiel «Aargauer Rache» heissen wäre das weniger der Fall.
Die Engadiner Reihe ist meine erfolgreichste. Gemäss den Verkaufszahlen ist Corina Costa unschlagbar im Vergleich zu meinen anderen Ermittlern und Ermittlerinnen. Diese Reihe liest eine viel breitere Masse, da auch viele Touristen gerne ein Engadin-Krimi lesen. Das Engadin ist ein Sehnsuchtsort, dadurch werden sehr viele Leserinnen und Leser angesprochen. Würde es zum Beispiel «Aargauer Rache» heissen wäre das weniger der Fall.
Dabei ist Corina Costa im Gegensatz zur Ermittlerin Ihrer Churer Reihe, der attraktiven Giulia di Medici, eher die Anti-Heldin.
Genau. Aber in einer Welt, in der vieles perfekt sein muss, können sich wohl viele mit Corina Costa identifizieren. Sie ist wie du und ich, hat Ecken und Kanten, ist geerdet und empathisch. Sie ist nahbar und authentisch, es ist ihr egal, wie sie aussieht und was andere über sie denken. Sie lebt unabhängig oberhalb von Pontresina und schätzt ihr einfaches Zuhause mit ihren Tieren und dem Tomatenhäuschen. Auch ein solches Leben ist für viele eine Sehnsucht.
Genau. Aber in einer Welt, in der vieles perfekt sein muss, können sich wohl viele mit Corina Costa identifizieren. Sie ist wie du und ich, hat Ecken und Kanten, ist geerdet und empathisch. Sie ist nahbar und authentisch, es ist ihr egal, wie sie aussieht und was andere über sie denken. Sie lebt unabhängig oberhalb von Pontresina und schätzt ihr einfaches Zuhause mit ihren Tieren und dem Tomatenhäuschen. Auch ein solches Leben ist für viele eine Sehnsucht.
Das Engadin gilt als idyllischer Ferienort. Sie lassen in diesem alpinen Hochtal Morde geschehen: Beim ersten Fall im Bernina Express, beim zweiten im St. Moritzersee, beim dritten im Hotel Waldhaus in Sils, und nun vor einem Engadinerhaus in Silvaplana. Ist diese Kontroverse vom Grauen in der Schönheit eines der Erfolgsrezepte?
Genau. Mir hat einmal ein anderer Schweizer Bestsellerautor gesagt: «Du hast einen riesigen Vorteil, dass du über das Engadin schreibst.» Und das stimmt. Sehr viele Leute verbinden das Engadin mit schönen Ferienerlebnissen oder Kindheitserinnerungen. Die Menschen haben eine tiefen und oft verklärten Bezug zum Engadin. Doch wer dort wohnt, muss auch Steuern zahlen, hat auch Sorgen und Probleme. Genau das will ich in meinen Büchern auch aufzeigen.
Genau. Mir hat einmal ein anderer Schweizer Bestsellerautor gesagt: «Du hast einen riesigen Vorteil, dass du über das Engadin schreibst.» Und das stimmt. Sehr viele Leute verbinden das Engadin mit schönen Ferienerlebnissen oder Kindheitserinnerungen. Die Menschen haben eine tiefen und oft verklärten Bezug zum Engadin. Doch wer dort wohnt, muss auch Steuern zahlen, hat auch Sorgen und Probleme. Genau das will ich in meinen Büchern auch aufzeigen.
Sie leben nicht im Engadin, sondern recherchieren und schreiben von Chur aus. Wie funktioniert das?
Krimis sind Unterhaltungsliteratur. Ich verpacke das Grauen in die schönen Landschaften des Engadins. «Engadiner Rache» habe ich in Silvaplana angesiedelt, und als Mordopfer habe ich einen jungen, attraktiven Pfarrer gewählt. Daraus hat sich eine mehrschichtige Geschichte entwickelt. Ich schreibe immer den Prolog und habe dabei keine Ahnung, wie die nächste Seite aussehen wird. Ich will ja auch etwas erleben beim Schreiben und gehe dann gedanklich an die Orte des Geschehens.
Krimis sind Unterhaltungsliteratur. Ich verpacke das Grauen in die schönen Landschaften des Engadins. «Engadiner Rache» habe ich in Silvaplana angesiedelt, und als Mordopfer habe ich einen jungen, attraktiven Pfarrer gewählt. Daraus hat sich eine mehrschichtige Geschichte entwickelt. Ich schreibe immer den Prolog und habe dabei keine Ahnung, wie die nächste Seite aussehen wird. Ich will ja auch etwas erleben beim Schreiben und gehe dann gedanklich an die Orte des Geschehens.
Nur gedanklich, nie physisch?
Ich habe mal über einen Mord beim Windrad in Haldenstein geschrieben, und bin nicht einmal zum Windrad hingegangen. Meine Recherchen laufen über Google und Streetview.
Ich habe mal über einen Mord beim Windrad in Haldenstein geschrieben, und bin nicht einmal zum Windrad hingegangen. Meine Recherchen laufen über Google und Streetview.
Warum?
Weil mir zu viel verloren gehen würde, wenn ich nur die realen Eindrücke vor Ort hätte. Für mich ist es spannender, wenn ich die Fantasie spielen lassen kann. Ich habe Mal ein Buch geschrieben, in dem der Mittlere Westen vorkam, obwohl ich nie in Amerika war. Bekannte und Freunde wollten nach der Lektüre wissen, wann ich denn diese Reise durch den Mittleren Westen gemacht habe. Es funktioniert also.
Weil mir zu viel verloren gehen würde, wenn ich nur die realen Eindrücke vor Ort hätte. Für mich ist es spannender, wenn ich die Fantasie spielen lassen kann. Ich habe Mal ein Buch geschrieben, in dem der Mittlere Westen vorkam, obwohl ich nie in Amerika war. Bekannte und Freunde wollten nach der Lektüre wissen, wann ich denn diese Reise durch den Mittleren Westen gemacht habe. Es funktioniert also.
Als Karl May seine berühmten Winnetou-Romane schrieb, war er auch noch nie in Amerika. Die detailreichen Beschreibungen des Wilden Westens und die indigenen Kulturen entsprangen vollständig seiner Fantasie.
Eben, ich bin halt der Karl May von Graubünden.
Eben, ich bin halt der Karl May von Graubünden.
Den Lokalkolorit findet man in den Engadiner Krimis jedenfalls, zum Beispiel wenn Einheimische einzelne romanische Sätze sprechen.
Ich möchte die romanische Sprache in den Büchern abbilden, damit die Leserschaft weiss, dass es diese Sprache gibt. Ich befürchte, dass es irgendwann nur noch eine museale Sprache ist. Veränderungen sind zwar nicht aufzuhalten, aber man kann sensibilisieren.
Ich möchte die romanische Sprache in den Büchern abbilden, damit die Leserschaft weiss, dass es diese Sprache gibt. Ich befürchte, dass es irgendwann nur noch eine museale Sprache ist. Veränderungen sind zwar nicht aufzuhalten, aber man kann sensibilisieren.
Können Sie etwas vom Plot von «Engadiner Rache» verraten, ohne zu spoilern?
Ich habe mich vor dem Schreiben gefragt: Was wäre, wenn in einem Örtchen wie Silvaplana drei deutsche Aussteigerinnen auf mysteriöse Art und Weise ein Engadinerhaus erben, die ganze Gemeinschaft mit ihrer Hippie-Art durcheinanderwirbeln und eines frühen Morgens die Leiche des schönen Dorfpfarrers in deren Garten liegt. Nackt, mit einem Eispickel im Nacken ... Übrigens ist der echte neue Dorfpfarrer von Silvaplana an einer Lesung von mir gewesen.
Ich habe mich vor dem Schreiben gefragt: Was wäre, wenn in einem Örtchen wie Silvaplana drei deutsche Aussteigerinnen auf mysteriöse Art und Weise ein Engadinerhaus erben, die ganze Gemeinschaft mit ihrer Hippie-Art durcheinanderwirbeln und eines frühen Morgens die Leiche des schönen Dorfpfarrers in deren Garten liegt. Nackt, mit einem Eispickel im Nacken ... Übrigens ist der echte neue Dorfpfarrer von Silvaplana an einer Lesung von mir gewesen.
Und, wie war seine Reaktion auf den Plot?
Das Buch war damals gerade erst erschienen. Ich habe noch keine Rückmeldung erhalten.
Das Buch war damals gerade erst erschienen. Ich habe noch keine Rückmeldung erhalten.
Zurück zum Plot. Das Mysterium um das Erbe ist eigentlich die spannendere Frage, als die, wer den Mord begangen hat.
Ich weiss. Das ist eigentlich die Hauptgeschichte. Aber ein Krimi ohne Mord geht nicht. Meine Bücher erzählen immer mehrere Geschichten auf mehren Ebenen. In diesem Buch geht es auch um verlorene Seelen, um das Sein hinter dem Schein, um Abgründe. Die Herausforderung besteht darin, alle Fäden am Ende zusammenzuführen.
Ich weiss. Das ist eigentlich die Hauptgeschichte. Aber ein Krimi ohne Mord geht nicht. Meine Bücher erzählen immer mehrere Geschichten auf mehren Ebenen. In diesem Buch geht es auch um verlorene Seelen, um das Sein hinter dem Schein, um Abgründe. Die Herausforderung besteht darin, alle Fäden am Ende zusammenzuführen.
Vier Corina-Costa-Fälle haben Sie geschrieben. Die Reihe wird bestimmt fortgeführt?
Ja, die muss ich weiterschreiben. Corina und das Engadin liegen mir am Herzen. Interessant ist aber, dass sie am wenigsten ernst genommen wird. Aber das ist so: Je mehr Bücher verkauft werden, desto mehr gelten sie als Mainstreamliteratur. «Engadiner Rache» tönt nach Regio-Krimi und wird auch so wahrgenommen. Klar ist der Krimi Ferienlektüre, aber eben gute Ferienlektüre. Ich würde diese Reihe jedenfalls jederzeit nochmals starten, allerdings würde ich sie rückblickend in den Achtzigerjahren spielen lassen. Ich will unbedingt noch eine Krimiserie der Achtzigerjahre schreiben.
Ja, die muss ich weiterschreiben. Corina und das Engadin liegen mir am Herzen. Interessant ist aber, dass sie am wenigsten ernst genommen wird. Aber das ist so: Je mehr Bücher verkauft werden, desto mehr gelten sie als Mainstreamliteratur. «Engadiner Rache» tönt nach Regio-Krimi und wird auch so wahrgenommen. Klar ist der Krimi Ferienlektüre, aber eben gute Ferienlektüre. Ich würde diese Reihe jedenfalls jederzeit nochmals starten, allerdings würde ich sie rückblickend in den Achtzigerjahren spielen lassen. Ich will unbedingt noch eine Krimiserie der Achtzigerjahre schreiben.
Und wo findet der nächste Mord im Engadin statt?
Das weiss ich noch nicht. Vielleicht an einem Bergsee oder in einer Gondel? Jedenfalls wird die Natur wieder eine ganz wichtige Rolle spielen.
Das weiss ich noch nicht. Vielleicht an einem Bergsee oder in einer Gondel? Jedenfalls wird die Natur wieder eine ganz wichtige Rolle spielen.
Philipp Gurt: Engadiner Rache. Dörlmean-Verlag 2026. 304 Seiten.
Autorin: Fadrina Hofmann
Fotos: Dörlemann Verlag | z. Vfg / Philipp Gurt
Autorin: Fadrina Hofmann
Fotos: Dörlemann Verlag | z. Vfg / Philipp Gurt
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