Larissa Della Briotta aus Pontresina hat vergangenen Winter die Rekrutenschule als Patrouillenreiterin absolviert. Nun wird sie zur Unteroffizierin ausgebildet. 
Viel Freizeit hat Larissa Della Briotta aktuell nicht. Am Wochenende reist sie fünfeinhalb Stunden von der Kaserne Sand in Schönbühl im Kanton Bern nach Pontresina, um bei ihrer Familie zu sein. Die Woche über lebt sie derzeit auf dem Areal des «Kompetenzzentrums Veterinärdienst und Armeetiere». Dort sind die Veterinäre, die Hundeführer und der Train stationiert. Die Engadinerin hat die Winter-RS als Patrouillenreiterin erfolgreich absolviert und wurde sogar zur besten Rekrutin des Zugs gekürt. Schon im Sommer wird sie Unteroffizierin sein und die neuen Rekrutinnen und Rekruten mit ausbilden.

Grosse Liebe für Tiere
Seit sie vier Jahre alt ist, reitet Larissa Della Briotta. Die Passion für Pferde liegt ihr im Blut. Ihre Familie besass immer Pferde, und schon der Urgrossvater und der Grossonkel waren Dragoner bei der Schweizer Armee. «Pferde haben einen eigenen Kopf, sind aber gleichzeitig sehr sensibel – das fasziniert mich an diesen Tieren», sagt die 20-Jährige. Sie verspüre eine besondere Verbin­dung zu den majestätischen und doch zutraulichen Wesen. 
Die Liebe zu den Tieren ist auch in der Familienwohnung in Pontresina offensichtlich: drei Katzen, ein Hund und ein Aquarium gehören zum Hausstand. Larissa Della Briotta hat die Lehre als tiermedizinische Praxisassistentin abgeschlossen. «Für mich war immer klar, dass ich mit Tieren arbeiten werde», sagt sie. Nachdem sie als Jugendliche an einer Informationsveranstaltung der Schweizer Armee zur Rekrutenschule teilgenommen hatte, beschloss sie, diese bei der Truppengattung Train zu absolvieren. «Neue Leute kennenlernen, eine gute Ausbildung erhalten und tagtäglich mit Pferden zu arbeiten, das hat mich überzeugt», erinnert sie sich.

Sieben Frauen im Zug
Am 12. Januar dieses Jahres startete Larissa Della Briotta ihre Laufbahn beim Militär. In 18 Wochen hat sie sehr viel gelernt und wie sie sagt «eine tolle Zeit gehabt». Als Patrouillenreiterin ist sie so etwas wie eine berittene Aufklärerin. Zur allgemeinen Grundausbildung gehört das Schiessen, Survival-Training, Spionage, Selbstverteidigung, der Umgang mit Drohnen oder Nachtsichtgeräten, das Funken, Kartenlesen, das Anwenden eines Kompasses und der Aufbau eines Beobachtungspostens. Als ehemalige Pfadfinderin hatte Larissa Della Briotta von einigen dieser Themen bereits eine Ahnung, was während der Ausbildung von Vorteil war. Um Patrouillenreiterin zu werden, musste sie zudem das Vorreiten bestehen. Auch hier hatte sie keine Mühe.
In ihrem Zug waren 17 Personen, untern ihnen sieben Frauen. 12 Pferde standen zur Verfügung. Die Rekrutinnen und Rekruten wurden jeweils in zwei Gruppen aufgeteilt. «Beim Train kommt das Pferd an erster Stelle, dann die Waffe und erst am Schluss der Soldat», erzählt Larissa Della Briotta. Der Tiere wegen kann sie auch erst am Samstagmorgen nach Hause fahren: Zuerst müssen die Tiere versorgt und bewegt werden.

Nah an den Rekruten dran
Während der RS hatte die Pontresinerin das Glück, eine tolle Gruppe zu haben. Sie hat Freundschaften geschlossen. Die Entscheidung, die Unteroffiziersschule anzuhängen, war aber eine rein rationale. «Ich wollte noch mehr lernen, zum Beispiel, wie man eine Gruppe führt», erklärt sie. 
Als Wachtmeisterin ist sie künftig in den organisatorischen Prozessen eingebunden und trägt Verantwortung. «Das gefällt mir.» Ob sie nach der Unteroffiziersschule noch eine weitere Stufe in der militärischen Karriereleiter erklimmen möchte, weiss sie noch nicht, «da bin ich offen».
Die Unteroffiziersschule dauert nur vier Wochen, danach ist eine Woche Urlaub angesagt. Eine Woche vor Rekrutenstart haben die Unteroffiziere dann noch eine Vorbereitungswoche. «Als Wachtmeisterin steht man zwischen den Hochrangigen und den Rekruten, bei keinem anderen Dienstgrad ist man näher an den Rekruten», sagt Larissa Della Briotta. Ihr liege die Sinnvermittlung am Herzen. «Es geht nicht mehr nur darum, Befehle auszuführen, sondern auch den Sinn dahinter zu verstehen.»

«Das Richtige für mich»
Mit Ordnung und Disziplin hat die Engadinerin kein Problem. Für sie ist es selbstverständlich, dass Pferd und Pferdebox «picobello» geputzt werden, dass ein Tag auch mal von sechs Uhr morgens bis elf Uhr abends dauern kann. Patrouillenreiter werden in anderen Truppen bisweilen belächelt. «Dann heisst es: ‹Ihr mit euren Pferdchen›. Dabei wissen viele gar nicht, was wir alles machen», sagt Larissa Della Briotta.
Sie selbst stösst fast nur auf positive Reaktionen, wenn die Leute erfahren, dass sie Patrouillenreiterin bei der Schweizer Armee ist. «Wer mich kennt, weiss, dass es das Richtige für mich ist», sagt sie. Und wer ihr beim Erzählen zuhört, spürt ihre Begeisterung. Dass sie während ihrer Zeit beim Militär etwas von ihrer Jugend verpassen könne, das Gefühl hat sie nicht. Am Wochenende geniesst sie vor allem die Ruhe – und zwar am liebsten bei einem Ausritt. 

Autorin: Fadrina Hofmann
Foto: Alexandra Kobel