Der Alltag in den Alterszentren Du Lac in St. Moritz und Promulins in Samedan kennt keine Übergangsfristen. Bewohnerinnen und Bewohner müssen gepflegt, Mahlzeiten gekocht, Medikamente verteilt und Gespräche geführt werden – unabhängig davon, welche Organisation im Hintergrund gerade Verantwortung trägt. Während im Oberengadin in den vergangenen Monaten intensiv über die Zukunft der Gesundheitsversorgung diskutiert wurde, lief der Betrieb in den Alterszentren weiter. Für viele Bewohnerinnen und Bewohner änderte sich mit dem 1. April zunächst wenig. Die grosse Veränderung fand vor allem hinter den Kulissen statt. Seit Anfang April führt die öffentlich-rechtliche Anstalt Sanadura die beiden Alterszentren sowie die Spitex. Operativ begleitet wird der Übergang bis Ende Jahr von der Casea AG, einem Unternehmen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich. Vor Ort verantwortlich sind Sabrina Hofstetter und Beat Fellmann.
Dass der betriebliche Übergang ohne grössere Unterbrüche gelungen sei, sei vor allem den Mitarbeitenden zu verdanken, sagt Hofstetter. «Die Bewohnerinnen und Bewohner standen immer im Zentrum. Für sie musste die Versorgung jederzeit gewährleistet bleiben. Das ist gelungen.»
Orientierung und Verlässlichkeit
Die vergangenen Monate seien für viele Mitarbeitende belastend gewesen. Während öffentlich vor allem über das Spital, Defizite oder politische Prozesse gesprochen wurde, hätten viele Angestellte lange nicht gewusst, wie es für sie persönlich weitergeht. «Die Mitarbeitenden hatten viel Ungewissheit», sagt Hofstetter. Gleichzeitig hätten sie den Betrieb weitergetragen. Genau das sei in der öffentlichen Diskussion teilweise zu kurz gekommen. Tatsächlich war die Debatte rund um die frühere Stiftung Gesundheitsversorgung Oberengadin (SGO) lange stark vom Spital geprägt. Weniger sichtbar blieb, was die Entwicklungen für die Langzeitpflege bedeuteten – und für jene Menschen, die dort täglich arbeiten.
Gerade deshalb soll nun wieder stärker sichtbar werden, was die Alterszentren als Arbeitgeberin auszeichnet: sinnstiftende Arbeit, flexible Arbeitsmodelle, professionelle Strukturen, ein verlässliches Umfeld und Teams, die gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die Veränderungen der letzten Monate böten nun auch die Chance, neue Rahmenbedingungen und zukunftsfähige Modelle zu entwickeln, von denen Bewohnende wie Mitarbeitende gleichermassen profitieren könnten. Gerade in der Pflege seien funktionierende Betriebe stark von Stabilität abhängig. «Wir möchten den Mitarbeitenden Orientierung und Verlässlichkeit geben», sagt Hofstetter. Es brauche klare Strukturen, damit Vertrauen weiterwachsen könne.
Vieles entsteht neu
Die eigentliche Aufbauarbeit beginnt laut den Verantwortlichen erst jetzt. Zwar sei die organisatorische Loslösung von der SGO erfolgt, viele Bereiche müssten jedoch weiterhin neu aufgebaut werden. Das betrifft etwa die Informatik, das Personalwesen oder organisatorische Prozesse, die zuvor zentral über die SGO liefen. «Man kann nicht einfach den Firmennamen ändern», sagt Beat Fellmann. «Hinter jeder neuen Struktur stehen Menschen, die diese im Alltag umsetzen müssen.» Hinzu kommt die besondere Ausgangslage mit zwei Standorten. Insgesamt verfügen die Alterszentren über rund 120 Betten, verteilt auf Samedan und St. Moritz. Das bringe zusätzliche Herausforderungen mit sich, etwa bei Abläufen oder der Organisation.
Grundsätzlich sei die Kombination von Alterszentren und Spitex jedoch sinnvoll. Die Idee, verschiedene Angebote der Langzeitpflege enger zusammenzuführen, entspreche einer Entwicklung, die vielerorts stattfinde. Ziel sei eine Versorgung, die ältere Menschen möglichst umfassend begleiten können – von der Unterstützung zu Hause bis zur stationären Betreuung.
Personal bleibt Schlüsselfrage
Die grösste Herausforderung bestehe weiterhin in Bezug auf die Personalsituation. Gerade im Oberengadin erschwert der Mangel an bezahlbarem Wohnraum die Rekrutierung von Fachkräften zusätzlich. Dennoch konnten zuletzt neue Mitarbeitende gewonnen werden, sagt Beat Fellmann. «Gleichzeitig braucht der Aufbau Zeit. Die Alterszentren können zusätzliche Bewohnerinnen und Bewohner nur schrittweise aufnehmen, weil sich der Personalbestand und die Auslastung parallel entwickeln müssen. Einen Aufnahmestopp gibt es derzeit jedoch nicht mehr.»
«Das volle Haus ist nicht einfach das Ergebnis eines einzigen Entscheids», ergänzt Sabrina Hofstetter. Vielmehr brauche es nachvollziehbare Prozesse und sorgfältige Planung. Diese würden nun laufend etabliert, um eine nachhaltige und qualitativ hochwertige Versorgung sicherzustellen. Genau deswegen sei auch die Wertschätzung gegenüber dem bestehenden Personal zentral. Viele Mitarbeitende hätten die vergangenen Monate trotz Unsicherheit mitgetragen und gleichzeitig die Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner sichergestellt.
Ruhe als Voraussetzung
In den kommenden Monaten sollen die neuen Strukturen weiter gefestigt werden. Dazu gehören auch Projekte rund um Informatik, Gastronomie oder die weitere organisatorische Eigenständigkeit der Betriebe. Gleichzeitig hoffen die Verantwortlichen nun vor allem auf eines: Ruhe. «Diese Betriebe funktionieren gut, wenn sie Stabilität haben», sagt Hofstetter. «Diese Stabilität zu erreichen, erfordert das Engagement aller.»
Nach Jahren voller Diskussionen, Abstimmungen und Unsicherheit soll der Fokus nun wieder stärker auf dem liegen, worum es in den Alterszentren letztlich geht: um die Menschen, die dort wohnen – und um jene, die täglich für sie da sind.
Autorin: Sina Margadant
Foto: Reto Stifel
Langzeitpflege im Oberengadin
Die Alterszentren Du Lac in St. Moritz und Promulins in Samedan bieten Platz für rund 120 Bewohnerinnen und Bewohner. Die Betriebe gewährleisten an 365 Tagen im Jahr eine Betreuung und Pflege rund um die Uhr. Seit dem 1. April 2026 werden die beiden Alterszentren gemeinsam mit der Spitex Oberengadin von der öffentlich-rechtlichen Anstalt Sanadura getragen. (sm)
Autorin: Sina Margadant
Foto: Reto Stifel
Langzeitpflege im Oberengadin
Die Alterszentren Du Lac in St. Moritz und Promulins in Samedan bieten Platz für rund 120 Bewohnerinnen und Bewohner. Die Betriebe gewährleisten an 365 Tagen im Jahr eine Betreuung und Pflege rund um die Uhr. Seit dem 1. April 2026 werden die beiden Alterszentren gemeinsam mit der Spitex Oberengadin von der öffentlich-rechtlichen Anstalt Sanadura getragen. (sm)
Wäre schön und zugleich wünschenswert, wenn in Zukunft Engadinerinnen und Engadiner den verdienten Lebensabend im Engadin, zu hause und nicht wie Etliche auf den ganzen Kanton GR verteilt verbringen könnten.